Kulturseminar der Ackermann-Gemeinde Hessen in Butzbach

Kirche Sankt Gottfried wurde vor 60 Jahren geweiht

Vortrag: Franz von Assisi und "Franziskanischer Geist" des neuen Papstes

Unter ein aktuelles Thema "Franz von Assisi - Papst Franziskus" hatten Peter Hoffmann und Wolfgang Neudörfl in der vorigen Woche das Treffen zum Ausklang des Jahres gestellt. Es gab auch Grund für ein Gedenken: 60 Jahre Kirche St. Gottfried, das "geistliches Dach" für katholische Heimatvertriebene, die im hessischen Butzbach nach dem Verlust ihrer Heimat nach neuen Wurzeln suchten. Die Kirchenführung durch Günter Bidmon, beinahe ein Exkurs in Bibelkunde, wird den Seminarteilnehmern in besonderer Erinnerung bleiben.

Bidmon ist der Kirche und Gemeinde eng verbunden. Als die Kirche vor 60 Jahren durch Bischof Dr. Albert Stohr von Mainz geweiht wurde, war er als Messdiener dabei. Heute ist die Kirche ein Kulturdenkmal. "Bischof Stohr hält übrigens einen Weltrekord", so Günter Bidmon "allein im Bistum Mainz hat er 111 Kirchen eingeweiht".

Notwendig geworden war der Bau wegen der 7.000 nach dem Krieg nach Butzbach gekommenen Heimatvertriebenen. Aus 100 Mitgliedern hatte die bisherige kleine Diasporagemeinde bestanden, der die kleine Kirche St. Joseph, die heutige Friedhofskapelle, als Gotteshaus genügte. Für den Neubau hatte man nur einfachste technische Mittel. Maschinen wie sie heute eingesetzt würden, standen nicht zur Verfügung. Ein Betonmischer war die einzige "Baumaschine". Handarbeit war gefragt. Handwerker, Alteingessene, die Vertriebenen selbst, Gefängnisinsassen aus Rockenberg und Butzbach, auch amerikanische Soldaten packten mit an.

Die Gefangenen halfen nicht nur beim Abbau der Kalksandsteine für die Fassade der Kirche im nahen Rockenberger Steinbruch, sondern sie schufen auch Kunstwerke im Innern, wie den Altar, die schmiedeeisernen Kerzenhalter und die Rosette über dem Haupteingang. Alle Steinmetzarbeiten sind von einem 19jährigen Gefangenen ausgeführt worden. Als der Altar vor Jahren von der Wand abgerückt wurde, entdeckte man einen eingravierten Krebs auf der rückwärtigen Seite des Altarsockels, sein "Markenzeichen".

Der spätgotische Marienaltar ist etwas Besonderes in St. Gottfried. Er steht im rechten Seitenschiff. Dieses musste extra höher gebaut werden, damit der Altar hineinpasst. Der Altar war um 1520 für die Butzbacher kath. St. Marienkirche - heute evangelische Stadtkirche - geschaffen worden. Im Jahre 1880 wurde er von der evangelischen Kirchengemeinde der wiedererstandenen katholischen Gemeinde für ihr neuerbautes Gotteshaus geschenkt, mit der Auflage, dass der Altar immer in Butzbach verbleiben muß. So diente der Altar von 1880 bis 1955 in St.Josef als Hochaltar. Nur in der Advents- und Fastenzeit ist die Außenseite des Altars zu sehen. Denn in diesen Zeiten des Fastens und der Vorbereitung wird traditionell der Altar zugeklappt.

Stolz ist Günter Bidmon darauf, dass er nach vielen Überlegungen mit einigen Irrtümern bei den Darstellungen auf den Innenseiten der Flügel aufräumen konnte, die 350 Jahre lang gang und gäbe waren. So glaubte man, dass es sich bei beiden Gemälden auf dem linken Flügel um den Hl. Erasmus handelt, tatsächlich stellt das obere Bild Bischof St. Blasius dar. Auch die Annahme, dass beide Bilder auf dem rechten Flügel den Hl. Leonhard zeigen, korrigierte Bidmon. Nur das untere Bild zeigt Leonhard, das obere den Hl. Bernhard von Clairvaux. Im vorigen Jahr wartete Bidmon mit einer weiteren Überraschung auf: das Bild, welches für "Mariä Lichtmess - Jesu im Tempel" gehalten wurde, stellt in Wirklichkeit die Hl. Familie und "Jesus mit dem Psalmenbuch" dar.

Angela und Diakon Franz Zecha sind begeistert vom neuen Papst Franziskus.
Einem Papst, der auf die herkömmlichen Insignien des Amtes verzichtet, weil sie ihm Zeichen ungebührlicher Macht der Kirche sind, der nicht in der Staatskarosse, sondern im Kleinwagen durch den Vatikan fährt, der nach wie vor nicht im üppigen päpstlichen Palast, sondern im einfachen Gästehaus des Vatikans wohnt, der weiterhin selbst zum Telefon greift. Einem Papst, der nicht zuerst Assisi - den Wallfahrtsort seines Namenspatrons aufsucht - sondern ins Jugendgefängnis geht, der sich auf Lampedusa mit den elenden afrikanischen Bootsflüchtlingen solidarisiert und den verantwortlichen Politkern der EU kräftig ins Gewissen redet.

Den Lebenslauf des Franz von Assisi mit bunten Tüchern zu erklären, war die Idee von Angela Zecha. Sie breitete farbige Tücher aus, mit Bildern der jeweiligen Stationen des Lebens von Franz markiert. Einen Lebensweg auf diese Art zu beschreiben begeisterte die Zuschauer. Und als dann noch Angela und Franz Zecha die Gäste mit einer Bilderserie über den "Sonnengesangsweg" in Sand (Taufels in Südtirol) mitnahmen, wollte der Beifall kein Ende nehmen.

Für nächstes Jahr kündigte Peter Hofmann ein besonderes Ereignis an: Die Neueinstudierung des "Ackermann aus Böhmen" aus Anlaß des 600.Todetages von Johannes von Tepl.

Text: Norbert Quaiser; Fotos: Erika Quaiser
Im November 2013